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Wer kennt das Problem nicht – das Reinigen von Kunststoff-Schneidbretter wird mit der Zeit immer mühsamer. In neuem Zustand sind sie immer schön glatt und sauber. Doch mit der Zeit entstehen hässliche Schnittspuren, Verfärbungen und Gerüche. Das Schneidebrett aus Kunststoff lässt sich immer schwerer reinigen, bis die Flecken gar nicht mehr weggehen.
Aus diesem Grund landen die meisten Bretter nach kurzer Zeit auf dem Müll und werden zum Verbrauchsmaterial. Doch gibt es wirklich kein Mittel, um ein Schneidebrett aus Kunststoff zu reinigen?
In diesem Beitrag lernst Du:
- was die tatsächliche Ursache für fleckige und müffelnde Schneidebretter ist
- Welche Kunststoff-Qualitäten für Schneidebretter verwendet werden
- wie man die Bretter erkennt, die sich gut reinigen lassen
- Die einzige Methode, mit der man Bretter wieder hygienisch sauber bekommt
- was das HACCP bedeutet
Schneidebrett Kunststoff reinigen: das eigentliche Problem
Bei der Reinigung von Schneidebrettern hat man es generell mit 2 möglichen Ursachen für Verunreinigungen zu tun:
Der Kunststoff an sich ist in der Struktur verfärbt
oder
die Flecken/Verfärbungen stammen aus den Schnittspuren.
Beim ersten Fall hat der verwendetet Kunststoff leider die Eigenschaft, Wasser aufnehmen zu können. Das führt dann (meist unter Wärme im Geschirrspüler) dazu, dass die wasserlöslichen Farbstoffe der Lebensmittel mit dem Wasser in den Kunststoff gelangen. Den Grund erkläre ich gleich.
Bei Flecken innerhalb der Schnittspuren (gilt für alle Bretter) hat man es mit dem Phänomen zu tun, dass ein Messerschnitt viel schmaler ist als die Borste einer Spülbürste. Das ist nicht gerade eine knappe Geschichte, sondern es handelt sich um den Faktor 6. Bedeutet: Schnittbreite 0,04 mm (ergibt sich aus rund 0,1mm Schnitttiefe in Verbindung mit 15 Grad Schneidkante des Messers), die feinste Spülbürste hat 0,25mm.
Zum besseren Verständnis hier ein schematisches Bild dazu:

Schneidebrett Kunststoff reinigen: Warum sich manche Bretter im Material an sich verfärben
Schneidbretter aus Kunststoff werden in der Regel aus Polyethylen hergestellt. Für Laien sind diese kaum voneinander zu unterscheiden.
In Wahrheit hat man es aber mit 5 verschiedenen Qualitätsstufen zu tun. Die 2 besten taugen was, die 3 unteren sollte man links liegen lassen, denn hier verfärbt sich der Kunststoff unter bestimmten Alltagsbedingungen selbst.
Der Unterschied liegt in der Dichte des Kunststoffs; genauer gesagt im Molgewicht. Sinnbildlich ist das einfach erklärt:
Stell Dir einfach 5 Akkus vor, die unterschiedlich vollgeladen sind. Der billige Kunststoff hat noch kaum Saft, wogegen der volle Akku den besten Kunststoff darstellt.
Profi-Tipp:
Wenn man jetzt weiß worauf man achten muss, kann man die Qualität eines Bretts schon auf den ersten Blick erkennen: Eher untere bis mittelmäßige Qualität hat eine geprägte Oberfläche, glatte Bretter sind in der Regel qualitativ besser. Im weiteren Beitrag wird das schnell schlüssig.
Schneidebrett Kunststoff reinigen: Wann ein Brett ein hoffnungsloser Fall ist
Sind Bretter nach der Spülmaschine einheitlich gefärbt, hat man es mit billigem Kunststoff zu tun. Das passiert bei den 2 untersten Qualitätsstufen PE-LLD und PE-LD.
Diese haben ein viel geringeres Mol-Gewicht und nehmen daher auch Wasser auf. Durch Erwärmung in der Spülmaschine wird der Kunststoff zudem weicher (Thermoplaster Kunststoff) und man öffnet quasi den Kunststoff für die Farbpigmente aus den Lebensmitteln.
Wirklich brauchbar ist ein Brett daher erst aus PE-HD, was im Handel bereits unter dem Begriff „Profi-Schneidebrett“ läuft. Beim Blick in die technischen Daten fällt jedoch auf, dass dieser Kunststoff noch eine minimale Menge Wasser (0,1%) aufnehmen kann.
In der Praxis bedeutet das gerade bei weißen Brettern die Gefahr von Flecken im Material selbst.
Wenn man schon die Wahl hat, sollte man auf Kunststoff-Schneidbretter aus PE-HMW oder PE-UHMW setzen. Dieses Material erkennt man immer daran, dass sie eine glatte Oberfläche haben.
Bretter mit geprägter Oberfläche werden bereits als Schneidebretter gegossen oder gespritzt. Bretter mit glatter Oberfläche werden als Werkstoff für Apparatebau und andere technische Anwendungen hergestellt, also als Schneidbrett eher zweckentfremdet.
PE-HMW und PE-UHMW haben ein so hohes Molgewicht, dass sie weder Wasser aufnehmen, noch sonst etwas drauf haftet. Unter anderem deshalb werden sie als Gleitschienen verwendet (selbstschmierend).
Das hat natürlich auch den praktischen Vorteil, dass Schneidebretter mit glatter Oberfläche keine Gerüche annehmen. Vorausgesetzt natürlich, sie sind aus den beiden besten Sorten.
Schneidebrett Kunststoff PE-LLD weiß: Hier sieht man die geprägte Oberfläche. Diese entsteht dadurch, dass die Form in die der Kunststoff gespritzt wird diese Prägung hat. Rechts an der runden Kante sind sogar noch Reste der Naht sichtbar. Solche billigen Kunststoffbretter werden hauptsächlich in Asien produziert.
Schneidebrett Kunststoff PE 500 HMW schwarz: Dieser Kunststoff ist eigentlich als Werkstoff für technische Geräte gedacht. Als Schneidbrett wird er nur zweckentfremdet. Die Oberfläche wird nach dem Pressen gehobelt und ist glatt.
Schneidebrett Kunststoff reinigen: Die Verunreinigung in den Schnittfugen
Sind Bretter nach der Spülmaschine einheitlich gefärbt, hat man es mit billigem Kunststoff zu
Unabhängig von Material hat man es bei einem benutzen Kunststoff Schneidebrett auch immer mit verunreinigten Schnittfugen zu tun. In der obigen Zeichnung kann man erkennen, dass mit Wasser und Spülbürste keine Chance besteht, das Innere der Fugen zu erreichen.
Genau hier machen viele einen Denkfehler:
Sie glauben, die Flecken mit einem Mittel (egal ob chemische Keule oder Hausmittel) wegbleichen zu können. Das geht – wenn man es jeden Tag macht. Eine gelegentliche Anwendung ergibt auf Dauer wenig Sinn.
Denn die vielen Schnitte nebeneinander wirken wie ein Teppich – da haften Keime und Farbstoffe besonders gut dran und das Brett verschmutzt innerhalb eines Tages wieder.
Falls es trotzdem mal sein muss:
Chlorbleiche aus dem Drogerie-Markt wirkt Wunder. Dass man mit dem Zeug aufpassen muss, sollte selbstverständlich sein!!
Betriebe, wie z.B. Metzgereien oder Wurstfabriken, müssen Schneidauflagen aus Kunststoff (meist PE-HMW) täglich chemisch reinigen. Natürlich verwenden sie andere Mittel als Chlor. Das Prinzip ist aber das gleiche.
Verunreinigungen in den Schnittfugen sind hier egal, da täglich der professionelle Putztrupp durchläuft und sie unschädlich macht.
Diese chemische Keule ist für den Privathaushalt nicht zielführend, weshalb es hier sinnvoller ist, das Problem an der Wurzel zu packen.
Schneidbrett Kunststoff reinigen: Schnittspuren entfernen
Dadurch erhält man wieder eine glatte Fläche. Sinngemäß ist das wie der Wechsel vom Teppich zum Fliesenboden. In Großmetzgereien erledigt das in regelmäßigen Abständen der Hobel-Service. Zuhause funktioniert das am besten mit einem Hygiene-Schaber.
Hier siehst Du eine kurze Videosequenz wie das funktioniert und ob sich das was für dich ist.
Das Abtragen der Schnittspuren hat auch einen weiteren Vorteil. Denn so landen keine Kunststoffpartikel im Essen. Durch das hundertfache kreuz-und quer schneiden entstehen einzelne instabile Geflechte. Diese brechen relativ leicht ab und landen so im Essen. Das hier zu erklären würde den Rahmen sprengen, daher gibt es HIER einen eigenen Beitrag.
Schneidebrett Kunststoff reinigen: Was hat es mit dem HACCP auf sich?
Wenn man im Netz nach „Schneidebrett Kunststoff“ sucht, stolpert man über den Ausdruck „HACCP-geeignet oder konform“. Das ist primär für die Gastronomie relevant.
Damit soll vermieden werden, dass sich Keime des einen Lebensmittels auf andere übertragen. Also bekommt jede Lebensmittelgruppe eine Farbe von Schneidbrettern zugewiesen.
Schneidebrett Kunststoff reinigen: Zusammenfassung
Beim Schneidebrett gibt es immer 2 Arten von möglichen Verunreinigungen:
- Schlechter Kunststoff verfärbt sich an sich, guter Kunststoff nur in den Schnittfugen.
- Um nur eine Art der Verunreinigung zu haben, empfiehlt es sich für Schneidebretter mindestens PE-HD Kunststoff zu verwenden, welcher auch als “Gastro-Kunststoff” im Handel ist. Noch bessere Eigenschaften hat PE-HMW (auch als PE 500 bekannt).
- Flecken in Schnittspuren lassen sich zwar bleichen, aber das Brett verschmutzt wegen der rauen Oberfläche wieder sehr schnell.
- Schnittspuren lassen sich weghobeln bzw. mit einem Hygiene-Schaber auch zuhause (wie hier im Video) bis zur glatten Schicht entfernen.
Links:
wikipedia zum Thema HACCP: klick
Unser Hygiene-Schaber in unserem Shop: klick