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Wann ist ein Holzschneidebrett wirklich gut gemacht?

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Seit geraumer Zeit schießen immer mehr “Holzkünstler” wie Pilze aus dem Boden. Und jeder will mit echter Handarbeit endlich wieder echte deutsche Wertarbeit abliefern. Da kommt es gelegen, wenn man zufällig Opas alte Schreinerei erbt – macht sich ja auch gut beim „Storytelling“. Dann ist es auch egal wenn man keine Ahnung von der Materie hat und sich beim arbeiten den Finger in der Nase bricht: schließlich ist das Holzschneidebrett premium. Und das einzige was zählt ist der Wille…

In diesem Beitrag lernst Du:

  • gepfuschte Bretter von wirklicher Handwerkskunst zu unterschieden
  • die Evolutionsleiter von Null zum Premium Schneidebrett
  • wo es sich warum lohnt mehr Geld auszugeben
  • ab wann dir jemand das Geld aus der Tasche ziehen will

Ein Schneidebrett aus Holz ist erst einmal ein Stück Holz. Und dessen Wert steigt immer dann, je mehr daran sinnvoll !!! gearbeitet wird. Ein verleimtes Brett hat den Wert X. Und der steigt auch nicht dadurch dass irgend wer das Holz mit der Handsäge aufgetrennt hat.

Da die Herstellung eines Schneidbretts aus Holz hauptsächlich was mit Holzhandwerk zu tun hat, sollte es doch nur fair sein auch dessen Fachtheorie als Referenz anzuerkennen. Von daher haue ich am Anfang gleich mal einen provokanten Satz raus:

„Wer keine klassischen und traditionellen Massivholzmöbel fachlich einwandfrei bauen kann, der sollte die Finger von Holz-Schneidebretter lassen!“

Es ist wie es ist…

Mir ist klar dass ich damit dem ein oder anderen auf die Füße trete. Aber warum sage ich das? Ganz einfach weil die Gesetze zur Herstellung von einem Premium Holzschneidebrett das elementare Basiswissen über Holzverarbeitung erfordern. Wer das nicht beherrscht fällt durch die Gesellenprüfung – so einfach ist das. Ich hatte es bereits in einem anderen Beitrag von einmal erwähnt:

„Die Verwendung als Schneidebrett ist die härteste Aufgabe die ein Stück Holz in diesem Fall erfüllen muss.“

Deshalb sollten wir uns doch darüber einig sein, dass gerade bei der Bezeichnung oder dem Anspruch „Premium“ es auf besondere Sorgfalt ankommt


Holzschneidebrett Premium: Fangen wir mal bei der Basis an…

Andersrum gefragt: Was ist denn das Gegenteil von “premium”?
Neudeutsch würde man “low budget” sagen, also billig. Das geht natürlich nur durch möglichst wenig Arbeitsaufwand und mit wenig Materialeinsatz. Bei Schneidebrettern wäre das die Reste verleimt, am besten noch ohne Sinn und Verstand hoppla hopp und ohne sich Gedanken darum zu machen, was das fertige Endprodukt beim Kunden so erleben muss.

Das kann ein Stück keilgezinkte Leimholzplatte aus der Serienproduktion sein, denn billiger kann man Massivholz nicht mehr zusammenleimen.
Das kann aber genauso ein wild verleimtes Hirnholzbrett von 3 cm Dicke sein, auch das ist recht schnell gemacht. Und dann ist es egal ob industriell oder in Opas Werkstatt.

Bretter dieser Qualität haben auch ihre Berechtigung, z.B. im unteren Preissegment. Schlimm wird es nur dann, wenn man dem in der Regel ahnungslosen Kunden Unsinn erzählt und er es mangels Fachwissen glauben muss und dann noch viel Geld verlangt. Fachlicher Blödsinn bleibt Schrott – egal wie hübsch er aussieht.

Obwohl sie eigentlich das untere Ende der höchsten Stufe machbarer Qualität darstellen, werden solche Schneidebretter gelegentlich als “premium” bezeichnet.

Premium-Merkmale bei Schneidebrettern aus Holz

Nimmt man ein Holzbrett als Ausgangsmaterial, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten um dieses einfache Brett zur optimalen Verwendung als Schneidebrett zu veredeln. Dazu muss man wissen woran man sich als Ziel orientieren sollte.

Letztlich kann man die Evolution nach Relevanz in 7 Stufen unterteilen:

  • das rohe Brett
  • die Oberfläche
  • Qualität der Verleimung
  • konstruktive Maßnahmen
  • Zusatznutzen
  • Saftablauf
  • Design/Feinheiten

Holzschneidebrett Premium: Stufe 1

Der wichtigste Punkt ist eine geeignete Holzart, denn wenn diese schon nicht stimmt, dann sind alle anderen Maßnahmen logischerweise unsinnig.

Dann kommt die passende Holzdicke. Ein gewöhnlich verleimtes Schneidebrett sollte zwischen einem fünftel bis einem sechstel der Brettbreite (was bei 35 cm Breite eine Dicke von 5,8 – 7 cm sind) als Stärke haben um sich nicht zu schnell zu verziehen. Ansonsten müssen zusätzliche Maßnahmen getroffen werden um ansatzweise Premium zu sein.

Verleimen klingt jetzt einfach, ist es aber leider nicht. Es geht auch darum wie der Verlauf der Jahresringe ist, also welche Teile ich wie zusammen leime. Dazu muss man wissen wie das Stück Holz arbeiten wird – beachtet man das nicht entstehen unter Umständen Risse oder das Brett wird krumm.

Man kann ganz interessante Bretter verleimen wo ganz viel kreuz und quer läuft. Optisch ist das oft sehr ansprechend – in Bezug zur Haltbarkeit aber meistens kompletter Nonsens.

Holzschneidebrett Premium Brettevolution 1-10

Holzschneidebrett Grundprinzip

Schneidebrett aus Holz mit 1/10 tel der Brettbreite (bezieht sich immer auf Verleimbreite) als Holzstärke. Ohne weitere Verbesserungen ist das Brett zu dünn und verzieht sich.
Holzschneidebrett Premium Brettevolution 1-6

Holzschneidebrett extra dick

Die gleiche Fläche, nur mit 1/6 tel als Dicke. Das hier würde ohne weiteres funktionieren.

Premium bedeutet also sich Gedanken zu machen um:

  • geeignete Holzarten für Schneidebretter
  • geeignete / fachmännische Holzdicke
  • vernünftige Holzauswahl – also frei von Ästen, Rissen und korrekte Verleimregel (Verlauf der Jahresringe)
  • wasserfester D4 Leim

Holzschneidebrett Premium: Stufe 2

Nicht zuletzt sollte ein Premium-Produkt eine geeignete Oberflächenbehandlung haben. Und diese kann und sollte sehr lange dauern. Weil da aber nicht jeder Lust dazu hat wird hier teilweise richtig getrickst. Von “Kunde soll selbst Ölen” bis zu “2 mal im Schnelldurchgang” ist alles dabei. Ganz ehrlich? Gerade die Erstbehandlung ist am wichtigsten und sollte professionell gemacht werden. Wird Holz nicht richtig (zur Verwendung als Schneidebrett) behandelt, ist das einfach nur Laienhaft und grob fahrlässig.

Wichtig ist eine Tiefenimprägnierung mit langsam trocknendem Öl. Das sollte auch kein Salatöl sein, sondern Ausgangsmaterial für Lacke – also technisch gereinigt. Jeder der etwas anderes behauptet hat die Herstellung bzw. den Sinn von Öl und Co. nicht verstanden.

Das sind die beiden grundlegenden Voraussetzungen die immer erfüllt sein müssen. Man hat ein ordentlich verleimtes Brett mit vernünftiger Masse aus einer geeigneten Holzart mit einer fachmännischen Oberflächenbehandlung. Damit kann man bereits gut leben.

Wie man ein Holzschneidebrett premium – mäßig ölt, kannst Du später hier nachlesen…


Holzschneidebrett Premium: Stufe 3

Geht noch etwas? Aber sicherlich. Optimierungspotenzial besteht noch bei der Wahl der Leimfuge. Gewöhnliche Schneidebretter aus Holz sind mit  stumpfer Fuge verleimt. Für den Innenbereich ist das absolut ausreichend. Anstatt einer stumpfen Fuge kann man zudem die Länge mit

  • einem Verleim-Profil

erhöhen. Dadurch entsteht mehr Leimfläche und die Fuge wird stabiler. Dieses Upgrade ist auch generell sinnvoll bei normalen Brettern. Denn ein D4 – verleimtes Brett mit Verleimprofil ist immer besser als eines ohne verleimt. Verwendet man gegen den Verzug eine Hirnleiste braucht man hingegen kein Verleimprofil, da die Leimfuge am Ende gestützt wird.

Holzschneidebrett Premium Kronenfuge schema langholz mit stumpf

Holzschneidebrett Premium: Kronenfuge und stumpf Schema Langholz

Unterschied zwischen gerader – also stumpfer und Fuge mit Verleimprofil. Diese Kronenfuge verdoppelt die Leimfläche und sorgt für eine genaue Passung der einzelnen Holzteile

Holzschneidebrett Premium: Stufe 4

Doch damit ist noch lange nicht Schluss, denn es gibt weiteres Potenzial für Verbesserungen. Man kann das Brett weiter daran hindern sich zu verziehen. Dazu ist es möglich das Schneidebrett in der Breite mit einem anderen Stück Holz zu stützen. Hier kann man wahlweise

  • Hirnleisten oder
  • Gratleisten anbringen

Damit ist das Brett gegen Verzug gesichert. Dafür kann man jetzt die Brettdicke wieder  auf 1/10 tel der Breite reduzieren. Ein etwas dünneres Schneidbrett aus der Serienproduktion mit 2 Gratleisten wird einem etwas dickerem 08/15 Holzbrett immer überlegen sein.

Holzschneidebrett Premium Brettevolution Gratleiste Kronenfuge

Holzschneidebrett mit Gratleiste und Kronenfuge

Schneidebrett aus Holz mit Verleimprofil und 2 Gratleisten.  Die Breite der Leisten entspricht der Brettdicke. Sie dürfen auch nur 1/3 der Brettstärke eingefräst werden. Richtig gemacht laufen diese der Länge nach gesehen auf ein Ende keilförmig zu, damit sie Spannung aufbauen und straff sitzen. Sie werden traditionell auch nicht eingeleimt sondern sind nur am breiteren Ende fixiert.
Holzschneidebrett Premium Brettevolution Hirnleiste

Holzschneidebrett mit Hirnleiste

Schneidebrett mit 2 Hirnleisten. Diese werden mit Nut und Feder verbunden. Der Vorteil hierbei ist, dass sie nicht von Hand angepasst werden müssen und das Hirnholz geschützt wird.
Holzschneidebrett premium offene leimfuge

Offene Leimfugen bei einem Brett aus Buche

Das passiert nämlich bei einer stumpfen Fuge und wenn das Hirnholz nicht geschützt ist: Die Leimfugen gehen irgend wann auf.

Holzschneidebrett Premium: Stufe 5

Ist das Brett jetzt perfekt? Nein, noch lange nicht. Jetzt hat man erst einmal ein Brett was technisch optimiert ist. Jetzt geht es darum ob

-das Schneidebrett beidseitig nutzbar ist

Auf jeden Fall ist es so, dass für diesen Fall die Variante mit Gratleisten weg fällt. Dann bleibt nur noch die Konstruktion mit der Hirnleiste oder eine Platte aus mehreren Lagen – also mehrschichtiger Aufbau der symmetrisch angeordnet sein muss.

Holzschneidebrett Premium Brettevolution 3 schicht


Aufbau 3-Schichtplatte

Als Beispiel einen Kern von 2 cm Stärke, dann 2 um 90 Grad verdrehte Außenlagen von je 1 cm Dicke.  Diese Platte funktioniert ganz gut und ist recht formstabil.

Im Normalfall macht es Sinn die Platte gegen das Rutschen auf der Arbeitsfläche zu sichern. Das ist die einfachste Methode damit das Brett zweiseitig nutzbar ist. Aber eventuell ist hierzu auch eine Unterkonstruktion notwendig.  Hat ein Brett hingegen an der Unterseite Füße, dann zahlt man 2 Seiten und kann dummerweise nur eine benutzen.
Die Wahl der Füße sind auch ein Qualitätsmerkmal. Gummi-Gerätefüße gehören an Möbel, aber nicht in die Küche wo sie in Kontakt mit Öl kommen. Denn Gummi ist nicht Öl beständig. Geeignet sind:

-Füße aus elastischem Kunststoff

wie z.B. Silikon oder Polyurethan. Idealerweise sind diese für eine leichte Reinigung demontierbar wozu allerdings ein Metallgewinde mit einer Buchse notwendig ist. Damit lassen sich die Füße auch in der Höhe nachstellen.

Ok, jetzt hat man ein Brett mit ordentlichen Füßen oder es ist beidseitig nutzbar und liegt evtl. auf einem Unterbau. In diesem Zusammenhang kann man auch gleich sich um 2 weitere Problemstellen kümmern. Das eine wäre

-Arbeitsergonomie, also darauf zu achten dass man sinnvoll damit arbeiten kann
Dazu zählt z.B. ob und wie man Schnittgut vom Brett in Behältnisse bekommt, oder zumindest einen Teller unterstellen kann wie bei unserem Schneidmeister


Holzschneidebrett Premium: Stufe 6

Das andere ist das Problem: Saftablauf bzw. Saftrinne.

Eine normale Saftrinne mag zwar die Standardlösung sein. Wirklich zufriedenstellend ist sie aber nicht da nicht wirklich viel hinein passt. Die optimale Lösung ist ein Ableiten des Saftes in ein separates Gefäß. Dazu gibt es verschiedene Lösungsansätze deren Qualität davon abhängt wie leicht diese zu reinigen sind. Natürlich sollte ein langes Stehen des Saftes auf der Fläche vermieden werden. Denn so können leichter Flecken entstehen. Dazu muss idealerweise ein Gefälle her und/oder die eigentliche Saftrinne sollte Richtung Ablauf immer tiefer werden.

Optimal ist es natürlich wenn hier wieder die Brettdicke mindestens 1/6 tel der Breite entspricht, ein Verleimprofil vorhanden ist und außen ausreichend Material zum Rand steht.

Holzschneidebrett Premium: Stufe 7

Sehr schön, jetzt wird es langsam eng mit dem Potential. Was jetzt noch bleibt ist schon recht speziell und man muss Holz verstehen. Denn immer dann wenn man etwas mit Holz macht – also leimen oder etwas wegfräsen, dann ändert man die Eigenschaften. Hat man Holz verleimt, steigt der Feuchtegehalt im Holz und es findet durch das Arbeiten eine Deformation statt.

Umgekehrt wird es so sein, dass das Holz wieder nachtrocknet und dadurch Spannungen entstehen. Das kann und sollte man mit einkalkulieren. Gerade bei Saftrinnen oder anderen Lösungen die den gleichen Zweck erfüllen sollen, kann man sehr leicht verschlimmbessern. Ein falscher Abstand zum Rand oder an einer Stelle zu wenig Material stehen lassen kann alles ruinieren.

Holzschneidebrett premium Brettevolution 3cm saftrille zu nah am rand


Saftrille zu nah am Rand

Saftrinne viel zu nah am Rand gefräst, es steht zu wenig Material am Rand was dazu führt dass die Fugen aufgehen oder es Ausbrüche gibt
Holzschneidebrett premium Brettevolution 3cm saftrille richtiger randabstand


Saftrille richtiger Randabstand – mindestens Breite der Saftrinne

Richtiger Abstand zwischen Kante und Saftrinne. Diese sollte bei einem Halbrundprofil mindestens die Rinnenbreite betragen.

Wenn ein Schneidebrett jetzt mal so weit ist, kann man sich an die Feinheiten machen und etwas am Design arbeiten. Zumindest noch soviel die Konstruktion zulässt. Oft ergeben sich einfach Dinge aus der Technik und geben das Design quasi vor.


Zusammenfassung

Was haben wir jetzt gelernt? Noch lange nicht alles, denn es gibt noch so viele Dinge die sich optimieren lassen. Angefangen bei der Holzart, alles was mit Mehrschichtaufbau zu tun hat, kombinierte Konstruktionsmethoden etc….

Also wie bekommt man am meisten für sein Geld wenn man ein Holz Premium Schneidebrett möchte?

  • zuerst sollte man die dicksten Bretter in geeigneter Holzart aussuchen und ggf. die Oberflächenbehandlung selbst professionell durchführen
  • alternativ nach etwas mit Hirnleiste oder Gratverbindungen Auschau halten
  • Hirnholzbretter meiden
  • versuchen das Brett zweiseitig nutzbar zu machen – das geht mit rutschfesten Unterlagen
  • dann erst auf Saftrinne & Co. achten

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